HEIMAT - WHAT'S THAT?

"No place like home" in: Heimat what's that?

Vexer-Verlag/Sabon-Verlag, St. Gallen, Mai 2003, 20 Franken

Ein sg2003-Jubiläumsprojekt

 


Liechtensteiner Vaterland, 20. Oktober 2003:

Heimat - what's that?

Ein anderes Heimat-Buch zum St. Galler Kantonsjubiläum

Seine Migrationsausstellung begleitet das Kunstmuseum Liechtenstein mit einem vielschichtigen Rahmenprogramm. Am Sonntagvormittag ergänzten dieses Programm Autoren aus der St. Galler Nachbarschaft bei einer Lesung mit der Frage nach der Heimat.


hw.- Diese Frage - "Heimat- what's that?" - ist der Titel eines Buches, das heuer im Frühjahr aus Anlass des 200-Jahr-Jubiläums der Gründung des Kantons St. Gallen erschien. Der Buchtitel stellt die Frage nach dem Ausgangspunkt und dem Ziel der Migration. Wie vielfältig diese Punkte sein können, machten drei der Autoren bei der sonntäglichen Lesung im Kusnthaus - einmal mehr - bewusst.

Heimat in der Fremde?

Wie fragil Heimat sein kann und wie fragwürdig ihr Schutz, ihre Geborgenheit werden können, davon berichtet Jolanda Spirig. Die Journalistin hat in ihrem Wohnort Altstätten Asylwerber besucht. Hier sind sie im Transitzentrum gestrandet. Ehe sie weiterverschoben werden, bleibt ihnen wenig Zeit, den Weg zum Kaffee-Treff zu finden. Und mehr Platz wird den Asylsuchenden nicht zugestanden. Aber auch der Kaffee-Treff, ein Projekt der Kirchen und Hilfswerke, ist "No place like home".
Nüchten und sachlich präsentiert Jolanda Spirig Fakten. Sie schildert in einer klaren, knappen Sprache, was sie sieht. Mehr braucht es nicht. Eine verlorene Atmosphäre manifestiert sich. Heimat ist da nicht möglich.
Unbeabsichtigt war die Verbindung zur Musik, die mehr als nur Einlage war: Markus Nauer und Markus Gsell proben in der Nachbarschaft des Altstättner Kaffee-Treffs. Vielleicht trafen die beiden deshalb in ihren musikalischen Überleitungen so überzeugend den Gehalt der Texte.

Wie viele Heimaten?

Einen anderen Tonfall schlägt Brigitte Schmid-Gugler an. Sie porträtiert den Weg einer St. Gallerin zum Heimatlied. Nur - welches Lied soll Saadet Türköz singen? Vor über zwanzig Jahren war sie aus Istanbul nach St. Gallen gekommen. Nicht viel länger hatten ihre Eltern dort gelebt. Diese waren in den 1950-er Jahren vor den Chinesen aus ihren kasachischen Jurten über Indien und Pakistan in die Türkei geflüchtet. Während Spirig äussere Tatsachen zu Bildern fasst, hebt Schmid-Gugler innen verborgen Liegendes ins Licht. Den so verschieden gefärbten Stimmungen der Heimaten Saadet Türköz' und ihrer Familie gab sie Sprache und ortete zum Schluss eine neue Heimat für die Frau im Gesang.

Der Ort der Heimat

Heimat muss kein geografischer Ort sein. Das machte zum Abschluss Bernhard Brack deutlich. Er arbeitet als Sozialarbeiter in der Geriatrischen Klinik St. Gallen. Dort begleitet er alte Menschen aus der Klinik zurück in ihr angestammtes Zuhause oder organisiert Hilfe. Von den Menschen, die ihm dabei begegnen, plaudert er, immer wieder mit Zitaten aus dem "Heimatbuch" ergänzend. Bei seinen Schilderungen wird klar: "Auch eine Rolle kan ein Zuhause sein." Oder die eigene Geschichte. Auf engstem Raum skizziert Brack die seelisch-geistigen und die sozialen Heimaten der Menschen. Er stellte holzschnittartige Momentaufnahmen dar, fast hebbelschen Kalendergeschichten vergleichbar. In langen geduldigen Gesprächen offenbarte sich ihm mancher Standpunkt. Der seelischen Dimension dieser Heimaten wohnt oft eine tief gehende poetische Kraft inne.

 

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